Meinungsfreiheit bedeutet nicht Widerspruchsfreiheit

Das Bündnis »Kein Hafen für Nationalismus« beendet erfolgreiche Aktionswochen mit einer Kundgebung auf der Exe.

Nachdem kein Vertrag für das geplante Konzert in der Flens-Arena zustande gekommen war, hatte die Band Frei.Wild versucht, einen Ort für ein Treffen mit ihren Fans zu finden und musste dafür mit dem Parkplatz Exe vorlieb nehmen. Das Bündnis »Kein Hafen für Nationalismus« hatte dazu unter dem Motto »Wir sagen Tschüss«  zu einer Kundgebung eingeladen.

Zur Kundgebung kamen 200 Menschen aus vielen unterschiedlichen Initiativen, Gruppen und Parteien zusammen. Der Protest wurde von vielen kreativen Transparenten und Musik begleitet und es wurde aktiv mit Passanten zum Thema diskutiert.

»Wir sehen es als großen Erfolg an, dass es uns nicht nur gelungen ist, ein reguläres Konzert von Frei.Wild in unserer Stadt zu verhindern, sondern auch eine lebendige Diskussion zum Thema Nationalismus anzustoßen und viele Menschen erreicht und sensibilisiert zu haben«, sagt Katrine Hoop vom ehemaligen Projekt am Bahnhof Refugees Welcome Flensburg.

»Wir haben es uns nicht nehmen lassen, vor Ort zu sein und Tschüss zu sagen«, sagt Florian Matz, der als Vertreter der AWO Flensburg im Bündnis aktiv ist. »Immer wieder wird in diesem Zusammenhang von Kunst- und Meinungsfreiheit gesprochen. Aber Meinungsfreiheit bedeutet nicht, dass eine Meinung ohne Kritik und Widerspruch stehen bleiben muss.«

»Heute ist ja fast alles sagbar geworden, egal wie menschenverachtend oder geschichtsvergessen es ist«, ergänzt Katrine Hoop vom ehemaligen Projekt am Bahnhof Refugees Welcome Flensburg. »Doch nur weil jemand zuerst und am lautesten schreit, hat er nicht Recht.«

»Bei Angst vor Terror und Überfremdung, vor dem Verlust der eigenen Identität und einer immer komplexer werdenden, globalisierten Welt scheint der Rechtspopulismus mit seinen einfachen Antworten fast schon wie ein rettender Anker«, hieß es in sinngemäß einer Rede auf der Kundgebung. »Es ist mir egal ob Frei.Wild und ihre Fans sich für Nazis halten, mit ihren Phrasen verschieben sie die Grenze dessen, was gesellschaftlich akzeptiert ist, immer weiter nach rechts und bereiten damit den Boden für das, wogegen sie sich vermeintlich positionieren: Nationalismus, Rassismus und Fremdenhass.«

»Unsere Region ist für Vielfalt bekannt. Das gute Miteinander von Mehrheit und Minderheit ist nicht ohne Grund als UNESCO-Kulturerbe geehrt worden«, erklärt Matz. »Vor diesem Hintergrund versteht es sich von selbst dagegen zu protestieren, wenn Frei.Wild aggressives völkisches Denken als unschuldiges Regionalbewusstsein verklärt.«