Aber Frei.Wild…

…ist doch eine stinknormale, unpolitische Rockband!

Frei.Wild macht in ihren Texten eine scharfe Trennung zwischen Freund und Feind. Auf der einen Seite stehen die »geistig gesunden Patrioten« auf der anderen die »Gutmenschen und Systemmarionetten«. Die Band greift damit die Sprache von PEGIDA, AfD und der rechtsextremen Identitären Bewegung auf und ist somit alles andere als unpolitisch.

…ist doch gegen Gewalt und Extremismus!

Protest gegen Rassismus, Nationalismus und andere Formen der Diskriminierung wird von Frei.Wild auf dieselbe Stufe gestellt wie rassistische Übergriffe gegen Minderheiten. Frei.Wild verzerrt die Realität und verortet sich selbst in einer konservativen gesellschaftlichen Mitte. Die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit zieht sich jedoch wie ein roter Faden durch die Stücke. Dabei bedient Frei.Wild immer wieder rechtsextreme Ideologie, um das Gesagte im Anschluss scheinbar zu relativieren. Mit dieser Taktik verschieben sie die Grenzen des Sagbaren geschickt nach rechts außen.

…ist doch gegen Faschismus!

Frei.Wild sieht sich zwar in der Tradition der Auflehnung gegen die faschistische Diktatur und die damit einhergehende Italianisierung Südtirols, appelliert in ihren Texten allerdings gegen sämtliche »fremde« und »nicht-christliche« Einflüsse und beklagt kulturelle und religiöse Vielfalt. Die Band sympathisiert dabei ganz offen mit dem Befreiungsausschuss Südtirol einer rechten Terrororganisation, deren 361 Anschläge mindestens 21 Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt haben. Gleichzeitig bezeichnet die Band Kritikerinnen und Kritiker als »Scheiß-Faschisten«.

…distanziert sich doch von der Vergangenheit des Sängers als Neonazi!

Vor dem Hintergrund, dass Frei.Wild mehrere Textpassagen in ihrem Repertoire übernommen hat, die der Sänger ursprünglich für seine ehemalige Rechtsrockband Kaiserjäger geschrieben hat, erscheinen die Distanzierungen wenig glaubhaft. Aber auch ohne Blick auf die inhaltliche Kontinuität und die Zeit des Sängers als Mitglied der rechtspopulistischen Partei Die Freiheitlichen sprechen die aktuellen Texte eine deutliche Sprache.

…hat so viele Fans, die sind doch nicht alle Nationalistinnen und Nationalisten!

Frei.Wild vertritt eine Ideologie, die »Heimat« an »Blut und Boden« knüpft und »kulturelle Reinheit« anstrebt, und trägt daher mit ihren Texten aktiv dazu bei, völkisches Gedankengut salonfähig zu machen. Frei.Wild verstärkt ein Weltbild, das in einigen Teilen der Bevölkerung latent vorhanden ist und bereitet damit aktiv den Nährboden für eine weitere Polarisierung der Gesellschaft.

…ist doch nicht verboten!

Aus der Kunstfreiheit erwächst kein Anspruch überall spielen zu können. Die Entscheidung über die künstlerische und inhaltliche Ausgestaltung eines Programms obliegt dem Veranstaltungsort. Die Tatsache, dass Intoleranz erlaubt ist, bedeutet außerdem nicht, dass man die Verbreitung ebendieser widerspruchslos im Namen der Toleranz hinnehmen muss. Vielmehr verpflichtet das Bekenntnis zu einer offenen Gesellschaft dazu, Intoleranz und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit entschieden entgegen zu treten.

…kann doch nichts für das geplante Konzertdatum in Flensburg!

Selbst wenn das Datum zufällig gewählt sein sollte, erscheint es zynisch, dass ausgerechnet am 130. Geburtstag Hitlers ein Konzert in Flensburg stattfinden soll, das auch ein rechtsextremes Publikum anspricht. Vielen Flensburgerinnen und Flensburgern sind die Zeiten in den 80‘er Jahren, wo sich Rechtsextreme regelmäßig anlässlich des »Führergeburtstags« in der letzten Reichshauptstadt versammelt haben, noch in unguter Erinnerung.

…wird durch den Protest doch nur gestärkt!

Die Vorstellung, man könne Probleme durch Ignorieren beseitigen, hat sich als Irrtum herausgestellt. Die Erfahrungen zeigen, dass überall dort, wo sich nationalistische Gruppierungen ungehindert treffen können, menschenfeindliche Haltungen auf dem Vormarsch sind. Gerade Gedankengut, mit dem junge Menschen bei Musikveranstaltungen in Berührung kommen, kann sie nachhaltig prägen.

…ist doch einfach konservativ!

Frei.Wild präsentiert alte Werte in neuem Gewand. In den Texten finden sich nicht nur ausgrenzende Heimatkonstruktionen, auch die Darstellungen von Geschlechterrollen, geistiger Gesundheit, Fleiß und Männerbünden zeichnen ein reaktionäres Menschenbild, das große Teile der Bevölkerung ausschließt und degradiert sowie Kritik mit Formulierungen wie »hirnschädigender Virus« als krankhaft darstellt und entwertet.

…erhält doch auch aus bürgerlichen Kreisen Rückendeckung!

Überall in Europa fischen bürgerliche Parteien am rechten Rand und übernehmen hierfür rechtspopulistische Thesen. Hierzu gehört nicht nur die naive Auffassung, dass komplexe gesellschaftliche Probleme mit der Begrenzung von Einwanderung oder einem härteren Strafrecht zu lösen sei, sondern auch die Behauptung, Menschenfeindlichkeit sei von der Meinungsfreiheit gedeckt und alles andere Zensur oder Meinungsdiktatur.

…ist doch nicht halb so schlimm wie viele andere Bands!

Während andere Bands sich so eindeutig rechtsextrem verorten, dass sie nur von einem Szenepublikum gehört werden, kommt Frei.Wild so mainstreamkompatibel daher, dass vielen insbesondere jungen Fans die politische Dimension gar nicht bewusst ist. Die Band kann ihre völkische Ideologie damit einem breiten Publikum präsentieren und aktiv zur Meinungs- und Identitätsbildung von Heranwachsenden beitragen. Sicherlich lohnt es sich aber auch, bei anderer Musik genauer hinzuschauen.

…ist doch nur das Opfer links-grün-versiffter Propaganda!

Ein Grundbestandteil der Marketingstrategie von Frei.Wild besteht aus einer Opferhaltung gegen »die da oben«. Für die komplexen Herausforderungen einer globalisierten Gesellschaft gibt es allerdings keine einfachen Lösungen. Wenn wir friedlich in Vielfalt zusammen leben wollen, müssen wir uns von nationalistischen Vorstellungen befreien. Der Wunsch nach einem gleichberechtigten Miteinander wird glücklicherweise immer noch von sehr breiten gesellschaftlichen Kreisen getragen. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in unserem Bündnis wider, dem neben den unten aufgeführten Bands, Projekten, Vereinen, Parteien und anderen Organisationen auch viele Einzelpersonen aus Kultur, Kirche und Politik angehören.